Sulzbach, Umspannwerk „Hühnerfeld“

Das Umspannwerk Hühnerfeld wurde 1925/26 im Zuge des Ausbaus der Stromversorgung der saarländischen Kohlegruben von der französischen Grubenverwaltung errichtet und nahm bis nach dem Zweiten Weltkrieg innerhalb des Stromnetzes eine zentrale Stellung für die Versorgung der östlichen Bergbaugebiete ein. Die Stilllegung der stromversorgten Gruben, der Ausbau eines neuen, leistungsfähigeren Freileitungsnetzes und möglicherweise die Schwierigkeiten eines hierfür erforderlichen Umbaus (Problem der Andienung über Freileitungen) haben Ende der fünfziger Jahre zur Aufgabe des Umspannwerks geführt. Bis 1967 nahm es für wenige Jahre parallel zu seiner Nutzung als Werkstatt vermutlich noch eine untergeordnete Rolle in der lokalen Stromversorgung war.

Der innerörtlichen Lage entsprechend folgt es dem Typus der umbauten Umspannwerke, wie er sich um die Jahrhundertwende funktional herausbildete und in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts in ganz Deutschland je nach örtlicher Gegebenheit in zahlreichen Variationen gebaut wurde. Besonders deutlich ist in Sulzbach die brandschutztechnisch sinnvolle räumliche Trennung der Transformatoren vom Schalthaus vollzogen, die sowohl konstruktiv als auch gestalterisch zum Ausdruck kommt. Die Verwendung eines Eisenbetonskeletts für den Hauptbaukörper entspricht bautechnisch dem Stand der Zeit und empfahl sich gerade für Umspannwerke wegen der Feuersicherheit und der hohen Belastung der Decken. Die hohe Flexibilität des Grundrisses kam dem problemlosen Einbau der Werkstatt zu Gute und ließe weitere Umnutzungen zu, wie sie im Falle anderer Umspannwerke erfolgt sind. Ungewöhnlich ist angesichts der technischen Möglichkeiten Mitte der zwanziger Jahre die Verwendung eines Dachtragwerks aus Stahlfachwerkbindern, das in der Tradition von Fabrikhallen aus dem Ende des 19. Jahrhunderts steht.


Die Struktur des Gebäudes folgt vollständig seiner Funktion. Diese bestimmt die unterschiedlichen Achsabstände der Stützen und damit auch das äußere Erscheinungsbild. Die Gestaltung steht mit der Verwendung von Lisenen und Gesimsen in Tradition des französischen Neoklassizismus und erzielt mit wenigen Mitteln, darunter einer subtilen Oberflächengestaltung, einen repräsentativen, fast schon monumentalen Charakter, der über manche „Unstimmigkeit“ im Detail hinwegsehen lässt. Nicht zuletzt vermittelt die Gestaltung eine hohe Wertschätzung des Gebäudes und seiner Funktion und wird seiner Bedeutung für den Bergbau in der Region gerecht. Unweigerlich und trotz des inflationären Gebrauchs dieses Begriffs wird die Assoziation mit einer Kathedrale bzw. einem Tempel der Arbeit hervorgerufen.

Das Einziehen einer zusätzlichen Geschossebene im Bereich des ehemals hohen Erdgeschosses, mutmaßlich nach dem Zweiten Weltkrieg, hat dem Innenraum viel von seiner Großzügigkeit genommen. Der Eingriff ist reversibel und sollte bei einem möglichen Erhalt des Gebäudes unbedingt in Erwägung gezogen werden. Das erforderliche Teilen der Fenster hat die Proportionen des Gebäudes zu seinen Ungunsten verändert. An Stelle einer Betonung der Vertikalen ist ein lagerhafter Charakter getreten, der durch die Anhebung der Saarbrücker Straße verstärkt wird.
Für die Gestaltung des Sulzbacher Umspannwerks finden sich in Deutschland weder unmittelbare Vorbilder noch Nachfolger. Die klassizistische Grundhaltung, wie sie an weiteren saarländischen Gebäuden dieser Zeit in reduzierter Ausbildung zu beobachten ist, ist auf die französische Architekturdebatte der Zeit zurückzuführen.

Das Umspannwerk wurde im Mai 2013 abgerissen.